Eröffnung: Pressefreiheit

Diskussion über Risiken und Chancen

„Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten.“

Mit diesen Worten aus dem fünften Artikel des deutschen Grundgesetzes wurde Vision – Zukunftsforum Medien 2015 eröffnet. Beim zweiten Zukunftsforum der Jungen Presse diskutieren junge Journalisten, wie es um die Pressefreiheit in Deutschland bestellt ist.  Zu Recht sei die Pressefreiheit im Grundgesetz verankert, sagte Carla Schulte-Breidenbach von der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) in einer Keynote zum Motto der Veranstaltung.

„Ohne Journalismus stirbt die Demokratie“, erklärte sie am Freitagabend bei der Eröffnung im Axel-Springer-Hochhaus.

„Wie weit darf/muss journalistische Freiheit gehen?“ – den IMG_7086Fragen zu diesem Thema stellten sich Medienrechtler Dr. Oliver Schlüter, Correct!v-Reporter Jonathan Sachse, Focus-Investigativejournalist Fabian Gartmann und Anna Biselli, Redakteurin bei netzpolitik.org. Valentin Dornis, Vorstandsmitglied der Jungen Presse, moderierte die Runde. Schnell wurde klar: Grenzenlos ist Pressefreiheit nicht.

Gerade Rechercheanfragen bei Behörden würden häufig nur schlecht, oder mit dem Verweis auf Schutzbedürftigkeit der entsprechenden Informationen, gar nicht beantwortet. In anderen Fällen würde die Auskunft einen dreistelligen Betrag kosten, berichteten die meisten Journalisten der Runde. „Das können sich kleine Redaktionen, wie wir, nicht leisten. In dem Moment sind wir in unserer Pressefreiheit beschränkt“, sagte Anna Biselli. Auch die Angst vor Klagen, aufgrund von unerwünschten Veröffentlichungen seien für sie ein Risiko.

IMG_7146„Die Klage wegen des Verdachts auf Landesverrat hätte uns in den finanziellen Ruin geführt“, sagte die Redakteurin über die Vorfälle, die den Blog im Juli dieses Jahres Schlagzeilen brachte.

Medienrechtler Dr. Oliver Schlüter beschäftigt sich tagtäglich mit ähnlichen Fällen im Haus Axel Springer. Sein Eindruck: „In der Regel wird in einem solchen Rechtsstreit in letzter Instanz doch zu Gunsten der Pressefreiheit entschieden.“

Aber wer genau steht unter dem Schutz der Pressefreiheit, wenn jeder im Web Beiträge verfassen und verbreiten kann? Jonathan Sachse erklärte, er lege nach wie vor viel Wert auf eine journalistische Ausbildung, wenngleich die Bürger, gerade bei Correct!v, eine wichtige Unterstützung seien. Correct!v bezeichnet sich selbst als gemeinnütziges Recherchezentrum und ruft Bürger dazu auf, bewusst mit zu recherchiern. Anna Biselli grenzte den Begriff des Journalisten jedoch noch weiter ein und erhielt dafür zustimmenden Applaus aus dem Publikum.

„Ein Presseausweis macht einen Menschen nicht automatisch zum Journalisten. Dazu wird er durch seine Verantwortung.“ Dem stimmte auch Fabian Gartmann zu.“ Die Rechte und Pflichten, die wir als Journalisten haben, können wir nicht einfach an die Bürger weiter geben.“

Pressefreiheit gilt es schützen, doch wann muss ein Informant oder der Protagonist eines Artikels geschützt werden? Welche Grenzen sollten von Journalisten keinesfalls überschritten werden? Gerade Medienrechtler Schlüter, der als Vertreter von Axel Springer an diesem Abend auch für die Bild-Zeitung stand, musste dazIMG_7145u Fragen aus dem Publikum beantworten. Auf die Frage nach seinen ethischen Bedenken, antwortete er:

„Die Bild testet bewusst Grenzen aus.“ Dennoch werde stets zwischen Sensation und Verantwortung abgewogen und das Persönlichkeitsrecht nicht außer Acht gelassen.

Nicht nur im Konferenzraum im 19. Stock beteiligten sich die Teilnehmer, sondern posteten auch Beiträge in den sozialen Netzwerken, die auf einer Social Wall zusammenliefen. So konnte der Abend mit einer Top-Nominierung enden: zwischenzeitlich landete der Hashtag #vision15 unter den Top 20 der deutschen Twitter Trends.

Autoren

Sabrina Greifenhofer, Anna Möller