Im Faktenkaleidoskop

Eröffnungsdiskussion Vision 2017

Ein Kaleidoskop – das wurde noch nie zu einer Eröffnung einer Junge-Presse-Veranstaltung mitgebracht. Zu „Vision – Zukunftsforum Medien“ schon. Anna Möller aus dem Vorstand der Jungen Presse und der Veranstaltungsleitung hat es bei ihrer Begrüßung dabei, um das Thema des Abends anschaulicher zu machen „Im Faktenkaleidoskop – Journalisten zwischen extremen Ansichten“ so das Thema der Eröffnungsdiskussion. Ein Bild, über das man nachdenken müsse. Sie dreht das Kaleidoskop in ihrer Hand und beschreibt, was sie sieht. Wenn die Perlen im Kaleidoskop hin und her rutschen, wenn die Spiegel ihre Farben aus unterschiedlichen Winkeln reflektieren, ergeben sich mit demselben Objekt ganz unterschiedliche Muster. Ein passendes Bild für die aktuelle Debattenkultur: Blicken zwei von unterschiedlichen Seiten auf eine Situation, ergeben sich für sie genauso unterschiedliche Perspektiven. Wie sollen Journalisten damit umgehen? Wie finden sie heraus, welche Perspektive Fakt ist? Wie sollen Journalisten filtern?

Vorweg: Einfache Antworten finden selbst die Experten der Eröffnungsdiskussion nicht an diesem Abend im 19. Stock des Axel-Springer-Hochhauses. Ein besonderer Ort für Journalisten, hebt Rudolf Porsch, stellvertretender Direktor der Axel Springer Akademie, hervor. Über den Dächern von Berlin, über den Räumen des Axel-Springer-Vorstands, spüren die Vision-Teilnehmer der Zukunft des Journalismus mit Blick auf etwas Zukünftiges nach: Der Baustelle für das neue Axel-Springer-Gebäude. Dass dieser Verlag erfolgreich ist, einflussreich, das macht Porsch deutlich. Und zwar nicht um einzuschüchtern, sondern um einzuladen. Porsch lädt die Teilnehmer und die Junge Presse nicht nur in die Räumlichkeiten der Axel Springer Akademie ein, sondern auch dazu, den Verlag besser kennen zu lernen. BILD sei wohl die bekannteste Marke des Verlages, aber nicht die einzige. Darum unterstütze die Axel Springer Akademie die Junge Presse schon zum dritten Mal bei Vision. Die Teilnehmer werden am Samstag einen Einblick von der Ausbildung im Verlag erhalten, wenn sie in den Räumen der Akademie multimediale Produkte erstellen.

Für diese Workshops können die Teilnehmer den Input aus der Eröffnungsdiskussion gut gebrauchen. Moderator Valentin Dornis, Jahresvolontär bei der Süddeutschen Zeitung und Vorstandsmitglied der Jungen Presse, stellt seine erste Frage Erhard Scherfer, Hauptstadtkorrespondent bei phoenix. Wie sich seine Arbeit mit der Debattenkultur in Deutschland verändert habe und ob es nun mehr Streit gebe. Zwischen extremen Ansichten fühle er sich als Journalist schon und auch missverstanden. Zu Streit führe die Auseinandersetzung nicht, so Scherfer, ein Journalist müsse sich schließlich nach dem Interesse seiner Leser, Zuschauer und Zuhörer richten. „Informationsbedürfnis erfüllen“, nennt Professor Helmut Scherer diesen journalistischen Auftrag und gibt zu bedenken, dass Journalisten meistens vor dem Dilemma stünden, entweder schnell oder zuverlässig zu berichten. Damit kommt die Runde schnell zum Thema „Fakenews“. Justus von Daniels. Reporter bei Correctiv, erläutert, das Recherchenetzwerk für Facebook Fakten checkt und wie die Überprüfung von Fakenews abläuft. Dass dieser Begriff viel zu inflationär gebraucht werde und jeder etwas anderes unter „Fakenews“ verstehe, betont Lars Wienand, Leiter Social-Media der Funke-Zentralredaktion. Maria Exner, stellvertretende Chefredakteurin von Zeit Online, beschreibt auf Nachfrage einer Teilnehmerin, wie Zeit Online mit dem Leserfeedback über Kommentare umgeht. Sie werden wahrgenommen und in der Redaktion berücksichtigt, aber die Kommentatoren müssten sich auch an die Netiquette halten und dürften nicht beleidigend werden.

Endgültige Antworten findet das Podium an diesem Abend zwar nicht, liefert aber jede Menge Denkanstöße. So haben die Teilnehmer und Eröffnungsgäste beim Abendessen und Netzwerken genug Gesprächsstoff. Und das auch für die folgenden zwei Vision-Tage mit Workshops und Diskussion.

Autoren

Sabrina Greifenhofer (Junge Presse e.V.)