Storys für die Hosentasche

Das Einmaleins des mobilen Journalismus

Riza Avsar von der Axel-Springer-Akademie weist die Teilnehmer im Workshop „Mobile Reporting“ in die fachgerechte journalistische Arbeit mit dem Smartphone ein. Bei dieser hochmodernen Art der Berichterstattung sind keine monströsen Kameras notwendig; auch mit minimalen Mitteln kann gutes Storytelling gelingen.

Beim Mobile Reporting geht es vor allem um die schnelle und hautnahe Dokumentation jüngster Ereignisse. Ziel ist, den Zuschauern die realistische und ungefilterte Wirklichkeit näherzubringen. Durch den Online-Dienst Periscope kann man Aufnahmen zudem live via Twitter übermitteln. Im Vergleich zu den Aufnahmen einer professionellen Kamera kann ein herkömmliches Smartphone zwar nicht mithalten; auch im Handling bietet es oft nur eingeschränkte Möglichkeiten. Jedoch kann dank praktischer Tools und einigen Richtlinien von Kursleiter Avsar auch so eine wunderbare Reportage entstehen. Einige hilfreiche Regeln betreffen die Perspektive, den Drehort und die Beleuchtungen der Aufnahmen. So sollte stets ein neutraler Hintergrund beispielsweise für Statements gewählt werden, der den Blick des Zuschauers nicht unnötig ablenkt. Der Interviewte sollte außerdem möglichst auf Augenhöhe gefilmt werden. Durch ein Querformat lässt sich hierbei der Raum besser ausnutzen. Dabei ist aber auch darauf zu achten, dass nicht zu viel Leere im Bild entsteht.

Laut Avsar kann man sich sogar an einigen Regeln aus der Malerei orientieren. So sollte laut dem Goldenen Schnitt die Augenpartie des Interviewten im Idealfall auf dem imaginären ersten Drittel  des Ausschnittes liegen, um eine ansprechende Konstellation zwischen Person und Umgebung zu erzielen. In puncto Beleuchtung ist es wichtig, natürliche Lichtquellen auszunutzen. Für ihr eigenes Projekt zum Thema Pressefreiheit werden die Teilnehmer mit einem Smartphone inklusive professioneller Apps wie FilmicPro und dem Schnittprogramm iMovie ausgestattet. Die Kurzfilmbeiträge von vier Kleingruppen sollen später zu einer vollständigen Reportage zusammengeschnitten werden.

Schnell zeigt sich, wie individuell mit der Methode Mobile Reporting gearbeitet werden kann. Die Teilnehmergruppen entscheiden sich für ganz unterschiedliche Ansätze wie Umfrage,  Interview oder Zeitraffer-Aufnahmen. Innerhalb weniger Stunden entstehen kreative und ausgearbeitete Beiträge. Am Checkpoint Charlie holen drei Nachwuchsjournalisten verschiedene Meinungen von Passanten ein und unterhalten sich mit ihnen, welche Werte hinter dem Begriff der Pressefreiheit stehen und wie sie dieses Grundrecht in Deutschland repräsentiert sehen. Es wird klar, dass jeder eine Meinung zu diesem Thema hat und die Pressefreiheit für ein wichtiges Recht hält, das es zu schützen gilt. Währenddessen dokumentieren drei Teilnehmerinnen mit Zeichnungen im Zeitraffer, wie es mit der Pressefreiheit international bestellt ist. Auf diese Weise kann auch jüngeren Zuschauern dieser komplexe Gegenstand näher gebracht werden.

Zwei weitere junge Medienmacher interviewen ihre Mitstreiter zu aktuell brisanten Themen und stellen in ihren Fragen Freiheiten und Pflichten der Presse gegenüber. Hieraus ergibt sich, dass man stets zwischen schneller Information und der Qualität der Beiträge abwägen muss. Die Kriterien der Sachlichkeit und Fairness sollen vor der Gefahr eines vorschnellen Urteils bewahren. Eine vierte Gruppe nutzt die ganze Bandbreite der filmischen Möglichkeiten, um die populistischen Vorwürfe an die „Lügenpresse“ zu thematisieren. Wie fühlen sich junge Journalisten in diesem feindlichen Klima und wie gehen sie mit der regelrechten Hetze gegen ihre Zunft um?

Fakt ist, mit einer guten Idee, der nötigen Motivation und etwas Hintergrundwissen kann man mit einem Smartphone eine ansprechende Reportage kreieren, die sich am Ende kaum von einer professionellen Aufnahme unterscheidet. Und das in kürzester Zeit.

Autoren

Raphael Heumann