Kleines Display, großer Auftritt

Mobile Reporting

Die Zeiten sind vorbei, in denen Fotografen fotografiert, Kameraleute gefilmt und Cutter die Beiträge geschnitten haben. Immer öfter dient das Handy nicht nur als Kamera, sondern auch als Schnittplatz. Vom Dreh bis zum finalen Vertonen und Einfügen der Bauchbinden: Der gesamte Workflow erfolgt auf einem einzigen Gerät und von einer einzigen Person. Einen sendefertigen TV-Beitrag mit dem Smartphone zu produzieren, darum sollte es im Workshop „Mobile Reporting“ gehen.

Mit Einstellungsgrößen, also dem klassischen Handwerkszeug für Videojournalisten, fängt Referent Mike Friedrich an.  „Was ist eine Totale, wie nah geht man bei einer Halbtotale heran?“, diese Fragen stellen sich unabhängig von der verwendeten Kamera. Mit einem Unterschied: „Auf einem großen Fernseher kann man auch bei einer Totalen noch ein paar Details erkennen. Bei einem kleinen Display sieht das natürlich anders aus.“

Mobile Reporting mit Mike Friedrich | Foto: Valentin Dornis

Mobile Reporting mit Mike Friedrich

So erfahren die Teilnehmer, dass die „amerikanische Einstellung“ ihren Namen von den alten Italowestern hat. Diese Kameraeinstellung zeigt Menschen vom Kopf bis knapp unter die Hüfte, damit ist auch der Revolver am Gürtel immer im Bild. Erst mit verschiedenen Einstellungsgrößen wird ein Beitrag spannend. Einen Beitrag nur aus Totalen ist wenig sehenswert –  zu viele Details, unübersichtlich.

Wie man eine Handlung in Bilder zerlegt zeigte Friedrich mit der „Five Shot“-Regel. Die bekannten W-Fragen werden mit fünf Einstellungsgrößen beantwortet. Ein Detail zeigt zunächst, was passiert. Mit einer Nahen, also einer Aufnahme des Gesichts, zeigt man, wer die Handlung ausführt. Wo diese Handlung passiert, lässt sich am besten mit einer Halbtotalen oder Totalen zeigen. Anschließend nutzt man eine Halbnahe, um deutlich zu machen, wie diese Aufnahmen zusammen gehören. Den Abschluss bildet der Wow- oder Beauty Shot: Ein kreatives Bild, bei dem der Kameramann frei experimentieren kann.

Wie wichtig diese Elemente beim Dreh eines Beitrags sind, können die Teilnehmer dann selbst erleben. Mit Handys ausgestattet filmen sie eine erste Übung. Die anschließende Feedback-Runde macht schnell deutlich: Filmen ist anstrengendes Handwerk. Schon eine Aufnahme von der falschen Seite, ein sogenannter Achsensprung, und das Bild „springt“.

Nach dem Mittagessen geht es an die Inhalte. Friedrich erklärt, wie man Interview-Partner am besten einrichtet und wieso Protagonisten nicht unmittelbar in die Kamera schauen sollen. Das gelernte Wissen sollen die Teilnehmer gleich in der Praxis anwenden. Alle Protagonisten beantworten die gleichen Interviewfragen:

Wie die Filme geworden sind, könnt ihr euch hier ansehen. Gefilmt, geschnitten und fertig produziert – alles mit dem Handy.

Referent

Mike Friedrich

Autoren

Text: Philipp Sümmermann (Junge Presse e.V.)
Fotos: Valentin Dornis (Junge Presse e.V.)