Satire oder Fakt?

News unter die Lupe genommen

Als Bundeskanzlerin Angela Merkel vergangene Woche bei ihrem Staatsbesuch in Saudi Arabien mit König Salma über den roten Teppich spazierte, erschütterte kurz darauf ein kleines Beben die sozialen Netzwerke. Eine saudische Satireseite veröffentlichte auf Facebook ein Bild, das die Haarpracht der Kanzlerin verpixelt zeigte und mit dem Schriftzug „Merkel auf einem saudischen TV-Kanal“ (natürlich in arabischen Schriftzeichen) versah. Für Furore sorgte das, weil in dem streng muslimischen Land Frauen normalerweise ihre Haare bedecken und ein bodenlanges Kleid tragen müssen. Wie vor der Reise angekündigt, ignorierte Merkel, wie der weibliche Rest der deutschen Delegation, das Gebot der Verschleierung.

Die Verschleierung gilt in westlichen Längengraden als Einschnitt in die persönlichen Freiheit und erfährt dementsprechend Ablehnung. Das Bild wurde tausendfach geteilt und ging auf Facebook sowie Twitter viral. Die User-Meinungen allerdings auseinander: Von einigen als lustig empfunden, mokierten sich andere über die vermeintlich einschneidende Zensur von Frauenrechten.

Not a joke: The UN’s newest member of the Women Rights Commission censored the German chancellor’s hair when she appeared today on Saudi TV. pic.twitter.com/0QwDEArL5l

— Sarah Abdallah (@sahouraxo) 4. Mai 2017

Dass es sich um eine satirische Fotomontage handelte, fand ein Teil der Community aber schnell heraus.

Exemplarisch für den viel diskutierten und inflationär gebrauchten Begriff „Fake-News“. Dieser gewann bekanntermaßen durch Donald Trump in den amerikanischen Präsidentschaftswahlen 2016 an politischer Bedeutung und weitreichender Prominenz. Im Wahlkampf kursierten vermehrt Falschmeldungen und veranlassten Journalisten dazu, sich intensiv mit dem Thema Factchecking auseinanderzusetzen. Vor allem mit Hinblick auf die anstehende Bundestagswahl konzentriert sich die deutsche Medienlandschaft nun darauf, den ansteigenden Falschmeldungen Herr zu werden, um einen fairen Wahlausgang zu unterstützen. Die Kooperation zwischen Facebook und dem gemeinnützigen Recherche-Zentrum Correctiv.org soll die User auch im größten sozialen Netzwerk Deutschlands vor Fake-News schützen. Correctiv-Redakteur Justus von Daniels: „Wir sind der erste Partner, der mit Facebook eine Vereinbarung eingegangen ist, unabhängig ein Factchecking zu machen.“

Doch beim Factchecking entstehen neue Probleme: Denn wer Fakten checkt, muss selbst gecheckt werden. Von Daniels berichtet sogar, dass auch die Online-Community die Arbeit von Correctiv überprüfe. Dadurch entstehe ein Kreis der gegenseitigen Kontrolle und man wehre sich gegen den Vorwurf, ein „Ministerium für Wahrheit“ gegründet zu haben. Zusätzlich kommt die Frage auf, inwiefern Journalismus zu sehr zum Selbstzweck verkommt und die Suche und Korrektur von Fehlern im journalistischen Alltag zu viel Raum einnimmt.

Referent

Hannes Leitlein Hannes Leitlein (30) ist Redakteur bei ZEIT Christ & Welt, lebt in Berlin-Schöneberg und twittert seit 2008.

Autoren

Von unseren Teilnehmenden Sophie Marla Rentschler und Jan Franco Caamano.