Tweets für den Erfolg

Alle Meinungen bei Diskussion gefragt

Drei Tage lang haben sich 100 junge Medienmacher in Berlin bei Vision mit dem Thema „Pressefreiheit“ und der Zukunft der Medien auseinander gesetzt. In der abschließenden Fishbowldiskussion wurde mit Experten darüber debattiert, welche Rolle die sozialen Netzwerke künftig im Journalismus spielen werden und wie sich ein Journalist online am besten präsentiert.

Diesmal befand sich das Podium nicht auf einer Bühne, sondern im Inneren mehrerer Stuhlkreise. Die Ebenbürtigkeit von Diskutanten und Zuschauern war dabei ein wichtiges Merkmal, denn jeder, der etwas zum Thema beitragen wollte, war dazu aufgefordert sich auf einen freien Stuhl im Zentrum zu setzen und mit zu diskutieren. So brachten sowohl Teilnehemer, als auch Profis spannende Aspekte ein. Mit dabei waren unter anderem Ole Reißmann von dem Jugendmagazin bento von Spiegel Online, der Chefredakteur von dem Axel-Springer-Startup upday, Matthias Bannert und SWR-Volontärin Kathrin Rösch.

Mit der Frage „Funktioniert Journalismus überhaupt noch ohne Social Media?“ startete Moderatorin Marie Haase aus dem Vorstand der jungen Presse in die Diskussion. Die drei Experten wurden sich schnell einig: „Eigentlich nicht!“ So berichteten sie beispielsweise von Jobangeboten, aufgrund ihrer digitalen Präsenz. Auf Twitter, Facebook, Snapshat und co. aktiv zu sein, sei wichtig, um einen direkten Draht zum Leser zu haben und die Reichweite der eigenen Inhalte zu vergrößern.

Die Nachwuchsjournalisten reagierten darauf mit kritischen Nachfragen, wie zum Beispiel, ob der Anzahl der Follower im Netz dann mehr Bedeutung zugemessen werde, als der Qualität der Inhalte oder, ob der Journalist auf diese Weise nicht zu sehr in den Mittelpunkt gerückt würde. Matthias Bannert hatte dazu eine klare Meinung: „Ein Journalist, der andere nicht erreicht ist kein guter Journalist.“ Somit seien die Anzahl von Followern und Qualität voneinander abhängig. Auch die Meinung, dass der Journalist hinter einem Beitrag durchaus relevant und als eine Marke zu verstehen sei, stieß im Zentrum der Diskussion auf Zustimmung. Ole Reißmann ergänzte, gerade in Zeiten, in denen die deutsche Presselandschaft als Lügenpresse bezeichnet werde, sei es wichtig zu zeigen, wer dahinter steckt.

Einschränkungen machten die Experten allesdings trotzdem. Kathrin Rösch merkte an, dass die Nutzung von sozialen Netzwerken stark von der Zielgruppe abhinge. Das unterstützte Matthias Bannert mit einem anschaulichen Beispiel und nannte die Apothekenumschau, die trotz ihres Schwerpunktes auf das gedruckte Magazin von vielen Apothekenkunden gelesen werde. „Aber ihr seid jung, ihr habt das Privileg so viel machen zu können. Nutzt es!“, forderte Ole Reißmann auf.

Diesem Appell folgten viele Teilnehmer. Auch während der Abschlussdiskussion wurde fleißg gepostet, getwittert und retweetet – sowohl außerhalb, als auch innerhalb des Zentrums. So verschickte Kathrin Rösch während der Diskussion einige Snaps. Auf die Frage nach Datenschutzbedenken antwortete sie: „Dazu kann ich nichts sagen. Mein digitaler Fußabdruck ist so groß, wie ganz Deutschland“ und sorgte damit zum einen für Lacher im Publikum, verdeutlichte zum anderen aber auch erneut: der Umgang mit Social Media muss selbstverständlicher werden.

Autoren

Anna Möller